Leise Töne, große Nähe
Westerkappeln. Manchmal braucht es keinen großen Saal, keine technische Opulenz, um die Wirkung von Musik voll zur Entfaltung zu bringen. Das Akustik-Konzert von JOEY gestern Abend im Atelier Steam Pink in Westerkappeln war ein solcher Abend: konzentriert, intim und von einer Atmosphäre getragen, die Zuhören wieder zu einer gemeinsamen Erfahrung machte.
In dem kleinen Raum saß das Publikum dicht beieinander, die Distanz zwischen Musikern und Zuhörern war nahezu aufgehoben. Jeder Akkord, jede Textzeile war unmittelbar spürbar. Die Zuschauer reagierten aufmerksam, beinahe andächtig und am Ende sichtbar begeistert. Es war ein Konzert, das weniger auf Lautstärke setzte als auf Nähe und Empfindung.
Im Mittelpunkt stand die Westerkappelner Familienband JOEY, bestehend aus Marlon, Emil und Stefanie. Ihre musikalische Geschichte reicht weit zurück: Bereits ihr Urururgroßvater Friedrich Kipker (1801-1869) war als Musiker in Westerkappeln tätig. Was einst als handwerkliche Musiktradition begann, wird heute in zeitgenössischer Form fortgeführt. Mit eigenen Texten, eigener Musik und einer spürbaren Ernsthaftigkeit im Ausdruck.
Die Lieder des Abends wirkten durch ihre Reduktion: akustische Arrangements, klare Stimmen, Texte, die nichts erklären wollten, sondern Raum zum Mitfühlen ließen. Gerade in diesem zurückgenommenen Rahmen entfaltete sich ihre Wirkung. Musik und Wort standen gleichberechtigt nebeneinander, ohne sich gegenseitig zu überdecken.
Im Mai erscheint mit „FARBEN“ das Debütalbum der Band. Der gestrige Abend ließ erahnen, dass es dabei weniger um Effekte als um Haltung gehen wird. Das Konzert im Atelier Steam Pink war kein Ereignis im klassischen Sinne, sondern ein stiller, eindringlicher Beweis dafür, wie nachhaltig Musik sein kann, wenn sie sich auf das Wesentliche beschränkt.
JOEY (Stefanie Wallenhorst, Marlon Schwarz, Emil Schwarz) v.l.

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